Verabschiedung von Bürgermeister Reiner Ullrich„Mit Kraft und Elan für Alpirsbach“

In einer angemessenen und würdigen, sehr persönlichen Feier wurde Bürgermeister Reiner Ullrich am 01.06.2016 im Haus des Gastes von der Stadt Alpirsbach offiziell verabschiedet. Nachdem am Abend zuvor noch unter seiner Leitung als Bürgermeister im Gemeinderat der Haushalt für das Jahr 2016 beschlossen wurde, war er an diesem Abend schon außer Dienst. Diese Realität nahm er gefasst an und verabschiedete sich bei seinen Dankesworten zum Schluss mit einem „Auf Wiedersehn als Bürgerin Monika und als Bürger Reiner Ullrich.“
Dazwischen lagen anderthalb Stunden zum Teil sehr emotionaler Dankesworte und Abschiedsgesten. So forderte unter anderem Landrat Dr. Rückert Respekt und Achtung aller Bürger für das Engagement Ullrichs und der damit verbundenen Leistungen für die Stadt Alpirsbach ein. Bei allen Rednern wurden die Umstände der letzten Wochen und Monate angesprochen, der sich nicht nur Reiner Ullrich sondern auch seine Familie aussetzen musste.
Vor zahlreichen Gästen und Freunden, Kommunalpolitikern, Vertretener von Behörden und Schulen und Vereinen im wohl gefüllten Haus des Gastes stimmten Lilly (Cello) und Ursula Schnidrig (Klavier) vom Alpirsbacher Sulzbergforum mit einer schwermütigen Elegie mit zornigen Passagen auf die Feierstunde ein.
Der stellvertretende Bürgermeister Holger Korneffel dankte Ullrich namens Gemeinderat und Ortsvorsteher dem scheidenden Bürgermeister, der Kraft und Elan für die Stadt Alpirsbach eingesetzt habe. Sein Engagement und das seiner Frau Monika in Vereinen und Institutionen habe der Stadt und ihren Ortsteilen gut getan. „Es wäre schön, wenn die Familie hier in unserer Stadt weiter mit uns lebt und mit uns wirkt“, so Korneffel.
In einem spontanen Beitrag dankte Monika Ullrich bewegend den „Freunden und Unterstützern, ohne die es für die Familie aufgrund der Widrigkeiten unheimlich schwer gewesen wäre. In dieser Zeit sei sie umso stolzer auf ihren Mann gewesen, der trotz aller Anfeindungen und Drohungen an seinen Zielen festhielt, die er als gut für die Stadt erachtet habe.“
Offensichtlich unter dem Eindruck dieser Worte stand die Abschiedsrede von Landrat Klaus Michael Rückert: „Sie haben gekämpft, Sie haben sich aufgerieben, das verdient Respekt und Achtung von allen Bürgern gleichermaßen“. Rückert erinnert an einige Projekte, wie Gewerbegebiet, Kindergarten oder Neuordnung des Tourismus und bat die Stadt Alpirsbach, die acht Jahre der Ägide-Ullrichs so zu würdigen, dass man der Leidenschaft, dem Einsatz und dem Engagement Ullrichs gerecht werde, dass die Familie Ullrich als Alpirsbacher Bürger geschätzt und respektiert werde. Er bat Reiner Ullrich, „die hervorragende Zusammenarbeit im Kreistag“ fortzusetzen.
Worte des Dankes für engagierte, couragierte und konstruktive Zusammenarbeit im Netz der Nachbargemeinden aus den Kreisen Freudenstadt und Rottweil sprach für die Nachbarbürgermeister Thomas Schenk aus Schenkenzell aus.
Alle Redner wünschten einerseits Reiner Ullrich und seiner Familie eine glückliche Zukunft, verzichteten andererseits auf Leistungsbilanzen oder spätes Abrechnen. Ullrich dankte für die anerkennenden Worte. Insbesondere bedankte er sich für den stilvollen und würdigen Rahmen dieser Verabschiedung. Ullrich ging in seiner Rede auf einige Stationen seiner Amtszeit ein und wies darauf hin, dass er zu Beginn seiner Amtszeit im Jahre 2008 eine der höchstverschuldeten Gemeinden im Lande übernommen hatte, die darüber hinaus einen enormen Investitionsstau aufwies. Bei den Einrichtungen und der Infrastruktur bestand ein großer Modernisierungs- und Anpassungsbedarf. Daher musste eine Konsolidierung durchgesetzt und umgesetzt werden. „Diese Leistungen lasse ich mir auch nicht kleinreden!“  Reiner Ullrich betonte; er scheide „ohne Groll und durchaus zufrieden und stolz aus dem Amt“. „Es sei Einiges bewegt worden, vor allem sei es gelungen, die Gemeindefinanzen zu konsolidieren, so dass nun „Licht am Ende des Tunnels“ zu sehen sei“. Über seine eigene Zukunft sagte Ullrich nicht viel. Er wolle im Kreistag weiter mitarbeiten, sich auch weiterhin politisch und gesellschaftlich engagieren, ansonsten werde sein angepeilter Ruhestand vermutlich ein Unruhestand werden.
Den Stadträten und der Bürgerschaft wünschte er, dass es besser gelinge, Eigeninteressen dem Gemeindewohl unterzuordnen. Und da sei noch allerhand Entwicklungspotential vorhanden. Denn die Zeiten würden härter und die Rahmenbedingungen nicht besser. „Der Anpassungsdruck wird weiter wachsen“, orakelte Ullrich, der seinem Nachfolger Michael Pfaff faire Kooperation anbot. „Eine Chance für ihn ist eine Chance für Alpirsbach“.
Jannica Bortloff (Violine) und Anna Schöllhorn (Klavier) leiteten mit einem schwungvollen „I see fire“ über zum Umtrunk. In einem eindrucksvollen Zwischenspiel stellten Susanna Vasanta und Animat Satueva vom Sulzbergforum, assistiert von jungen Männern aus Afghanistan, im Tanz Szenen der Annäherung und der Abwehr dar. Mit den künstlerischen Einlagen mit Tanz und Musik hob sich die Feierstunde von den üblichen Abschiedsfeiern wohltuend ab.