Treffen der deutschen cluniazensischen Orte mit dem Vorstand der Föderation

Auf Initiative von Bürgermeister Reiner Ullrich trafen sich die deutschen cluniazensischen Orte, Calw-Hirsau, Bollschweil, Sölden und Alpirsbach mit dem Vorstand und Geschäftsführung der Föderation der europäischen cluniazensischen Orte Cluny, in Alpirsbach. Dabei wurde über die weitere Zusammenarbeit in der Föderation unter Berücksichtigung der Interessen der deutschen Mitgliedsorte gesprochen. Besonders ging es bei der Besprechung um die künftigen Statuten, die bei der Generalversammlung im Juni verabschiedet werden sollen. Der Status und die Qualität der einzelnen Mitgliedschaft wird dabei konkret sowie die im Jahr 2010 unterzeichnete Charta als Grundlage für die Arbeit der Föderation und ihrer Mitglieder festgelegt. Weitere Themen waren der Bereich Kultur-Tourismusförderung durch die Föderation, das Projekt Clunypedia sowie die beabsichtigte Antragstellung bei der UNESCO, zur Anerkennung der Föderation als ideelles Weltkulturerbe.
Zum Status und der Qualität der künftigen Mitgliedschaften wurde von der Vorstandschaft zum Ausdruck gebracht, dass sich die Föderation in erster Linie auf die Standardkommunen einer cluniazensischen Anlage gründen will, denen auch uneingeschränkte Mitwirkungsrechte eingeräumt werden. Daneben die tatsächlichen Eigentümer einer cluniazensischen Anlage und die Vereine/Institutionen, die im Sinne der Föderation eine Klosteranlage oder einen Kirchenbau betreuen. Diese bleiben jedoch ohne Mitwirkungsrechte, wie auch die reinen unterstützten Mitglieder, die weder eine Standortkommune oder ein Eigentümer für eine cluniazensische Anlage sind.
Für Alpirsbach würde dies bedeuten, dass, falls die Stadt Alpirsbach seine Mitgliedschaft aufgeben würde, das Prädikat „cluniazensisches Ortschaft“ wegfallen würde und sich so nicht mehr cluniazensische Ortschaft nennen und darstellen darf.
Die Mitgliedschaft der ev. Kirchengemeinde Alpirsbach würde daran nichts ändern, da sie weder Eigentümer noch Betreuer im Sinne der Föderation der Klosteranlage in Alpirsbach ist. Nach dem Hinweis von Axel Ebner, ehem. Kirchengemeinderat, könnte dies die ev. Kirchengemeinde inhaltlich und ideell nicht leisten, da entgegen seinem damaligen Vorschlag, Pfarrer Horst Schmelzle, als Vorsitzender des Kirchengemeinderates, mit der Mehrheit des Kirchengemeinderates, die Unterzeichnung der Charta im Jahr 2010 ablehnte und somit auch für sich nicht anerkannte.
Aus Sicht der Föderation macht dies die Mitgliedschaft der ev. Kirchengemeinde unter dieser Voraussetzung problematisch, so Direktor Christophe Voros. Das Prädikat „cluniazensische Ortschaft“ kann nur durch die Stadt als Standortgemeinde oder durch das Land Baden-Württemberg, als Eigentümer und Betreuer der Klosteranlage, begründet werden. So werden es die neuen Statuten konkretisieren.
Präsident Armand Genoux zeigte die bisherige positive Entwicklung auf dem Gebiet des Kultur-Tourismus auf. Die durch die Föderation veranstalteten Kulturtourismus-Messen haben sich gut entwickelt und man möchte weitere kulturelle touristische Angebote schaffen. Konkret arbeitet die Föderation an Angeboten als Reiseveranstalter zu den cluniazensischen Orten. Gerade die deutschen Mitglieder begrüßen dies sehr und haben vorgeschlagen, die bestehende Klosterroute als konkretes Reiseangebot in das Programm mit aufzunehmen. Bei den bestehenden Jakobuswegen soll die inhaltliche Verbindung zu der cluniazensischen Tradition hergestellt werden.
Die Föderation beabsichtigt, Wegweisungen und Wegebeschreibungen über das Internet inhaltlich mit der cluniazensischen Tradition zu verbinden, um so auf den bestehenden Jakobuswegen eine Vernetzung zu den cluniazensischen Orten dazustellen. Dazu zählt auch Clunypedia, die dreidimensionale Darstellung der Klosteranlage im Internet.
Direktor Christophe Voros informiert über die Absicht, die Föderation als ideelles Weltkulturerbe bei der UNESCO zu beantragen. Die deutschen Mitglieder begrüßen dies ausdrücklich.
Klaus-Peter Hartmann, Vorsitzender der Freunde des Klosters Hirsau, unterstrich, dass gerade die Anerkennung als ideelles Weltkulturerbe sehr zielführend sei, denn man könne hier einmalig zum Ausdruck bringen, dass bereits vor über tausend Jahren eine grenzüberschreitende europäische Zusammenarbeit, basierend auf einer gemeinsamen Religionsidee, stattgefunden hat.
Die cluniazensische Klosterreformbewegung ist somit ein europäisches Kulturerbe über Ländergrenzen hinweg, die die heutigen gültigen Arbeitsregeln formuliert und für ihre Mönche festgelegt haben: den Tag in acht Stunden Arbeit, acht Stunden Schlaf und acht Stunden Gebet und Freizeit, aufzuteilen.
 

ClunyBesprechungApril16inAlpirsbach
Die Gesprächsteilnehmer vor der Klosteranlage (v. links): Stadtrat Axel Ebner, Yvonne Rauter, Stadt- Info Alpirsbach, Klaus-Peter Hartmann, Vorsitzender der Freunde Kloster Hirsau, Laurent Auberson, Schaffhausen, Verwaltungsrat der Föderation, Bürgermeister Reiner Ullrich, Verwaltungsrat der Föderation, Bürgermeister Josef Schweizer, Bollschweil, Alois Beck, Vertreter der Gemeinde Sölden, Hans-Martin Dittus, Stadtverwaltung Calw, Christophe Voros, Direktor und Armand Genoux, Präsident der Föderation, Cluny sowie Stadtarchivar Stefan Zizelmann
 
Foto: Held