Das Kloster Hirsau und seine wechselvolle Geschichte

Einen weiteren Vortrag im Rahmen der Kulturpartnerschaft mit Calw- Hirsau und Cluny/Frankreich wurde von der Stadt Alpirsbach, in Zusammenarbeit mit dem Verein für Heimatgeschichte, angeboten. Im Kapitelsaal des Klosters Alpirsbach begrüßte Helmut Held, Referent für Kultur und Tourismus, auch im Namen von Bürgermeister Reiner Ullrich, die zahlreichen Gäste und den Referenten Dr. Klaus- Peter Hartmann. Als profunder Kenner, wohnhaft in Hirsau, referierte er über das Thema „Hirsau und seine Reform“. Das Trithemiusbuch „Annales“, von Johannes von Trittenheim, Abt in Sponheim und erstellt auf Bitte des Hirsauer Abtes Blasius, stellt der Referent zu Beginn seiner Ausführungen vor und geht dann auf die engen Kontakte des Klosters Alpirsbach zum Kloster Hirsau, durch die Hirsauer Reform,,ein. Im Jahre 1117 schloss sich das Kloster Alpirsbach unter Abt Konrad der größten mittelalterlichen Reformbewegung im deutschsprachigen Raum an. Danach folgten noch weitere Äbte, welche die Hirsauer Reform verstärkten. Im Jahr 1120 bzw. 1130 wurde die neu erbaute Alpirsbacher Klosterkirche dem hl. Nikolaus geweiht und charakteristisch für alle Bauten der cluniazensischen Reform sind die archaisierende Haltung, die klare Überschaubarkeit der Grundrisse, die Flächenhaftigkeit außen und innen und die Aufgabe des Westchores und der Krypten sowie des Gewölbebaues wie auch die Beschränkung des plastischen Schmuckes. Vorbild dafür war die im Jahr 981 geweihte zweite Säulenbasilika in Cluny. Durch die Änderung der Liturgie hatte die Heiligenverehrung stark zugenommen und jeder Priester musste täglich eine Messe lesen. An der Klosterkirche Alpirsbach lassen sich wesentliche Elemente der Hirsauer Reform aufzeigen. Diese sind die Größe, das Patrozinium (Nikolaus), die Altäre, die Vierung und das Querhaus, das Chorus minor, nicht „aktive“ Mönche. In Alpirsbach ist das Würfelkapitell mit der „Hirsauer Nase“, als Hirsauer Bauform, augenfällig. Somit wurde aus dem ursprünglich San-Blasianisch orientierten Kloster Alpirsbach ein Hirsauer Reformkloster, das aus dem Kloster Hirsau seine weiteren Impulse erhalten sollte. Die nächsten Erläuterungen und Bilder des Referenten führte die Besucher zu den Hirsauer Ruinenanlagen und der Blick führt auf den ältesten Teil mit der Darstellung des Aureliusklosters und dem Aufriss von den noch erhaltenen Gebäuden. Dazu gehört die Areliuskirche als heute noch erhaltenen Bau. Sie wurde ab der Reformation als Scheune, Werkstatt, Lager u. a. genutzt und ist seit 1954 kath. Pfarrkirche. Das Würfelkapitell ist der Ursprung dieser Hirsau-typischen Bauform, als „Leitfossil“ für Hirsauer Reformkirchen. Abt Wilhelm war Initiator dieser Reform. Dazu erklärt Dr. Hartmann die Vorgeschichte im Einzelnen. Papst Leo IX. war 1049 in Hirsau, (der Onkel von Graf Adalbert II), dann 1065 Abt Friedrich aus Einsiedeln und 1069 Wilhelm, als Abt 1071. Der zentrale Punkt der Reformbewegung ist die Reform nach innen und außen. So wie Cluny soll auch Hirsau durch die Einhaltung einer strengen Klosterordnung und die Betonung von Gebet und Gottesdienst, dem ursprünglichen Anliegen der Benediktinerregel gerecht werden. Das Schlagwort jener Zeit heißt „libertas“, Freiheit, präziser „libertas monastica“, mönchische Freiheit, die sich gegen Stifterwillkür, Territorialmacht lokaler Potentaten mit ihrem Einfluss auf Abts-Ernennungen richtet und gleichzeitig auch gegen die Bischöfe in ihrem Machtanspruch gegenüber den Klöstern. Das Negative dabei ist die Ausweitung der Klosterreform auf die Gesamtkirche und das Positive die Trennung von Kirche und Staat, die Aufnahme von Laien in kirchliche Institutionen und das benediktinische Arbeitsethos. Bei den weiteren Ausführungen des Referenten führt der Referent aus, dass die Hirsauer Reformklöster als äußeres Zeichen die Reformarchitektur, die Liturgieordnungen und die Gregorianische Neuordnung u. a. aufnehmen. Ein Kartenausschnitt zeigt die Ausbreitung der Hirsauer Reformidee auf zahlreiche Klöster in Mitteleuropa. Im 14. Und 15. Jhrdt erlebte Hirsau eine zweite Blütezeit und 1692 wurden die meisten Klostergebäude und das Jagdschloss von französischen Truppen zerstört. Mit einigen Bildern stellt der Referent zum Schluss seines Vortrags das Kloster Hirsau von heute vor und zitiert aus dem erwähnten Trithemiusbuch folgenden Satz: „Erfreut auch mein Herz, hoffe, Ihnen davon etwas vermittelt zu haben“. Helmut Held dankte anschließend Dr. Klaus- Peter Hartmann für den sehr informativen und interessanten Vortrag..


Hartmann
Im Kapitelsaal des Klosters Alpirsbach referierte Dr. Klaus- Peter Hartmann über das Kloster Hirsau.
Foto: Held